Das Kreuz mit den neuen TUI-Katalogen
19. Juni 2012 |
An den neuen Katalogen der TUI scheiden sich die Geister. Emotionaler sollen sie sein, das aber geht zu Lasten des Inhalts, was wiederum Kunden ins Internet treibt - vielleicht auf Nimmerwiedersehen.
"Ein komplett neues Katalogkonzept verknüpft erstmals die Kataloge mit dem Internet", mit diesen Worten preist die TUI die Winterkataloge 2012/2013 an. Bei den exklusiven Konzepthotels mit so schönen Namen wie Sensimar oder Puravida werden QR-Codes abgebildet, die mit dem Smartphone oder Tablet-PC eingescannt werden können, um Hotelvideos oder 360°-Rundgänge anzusehen.
Internet-Links zur Hotelbeschreibung schafften zusätzlich eine Verbindung zwischen on- und offline, so die TUI. Unter www.tui-katalog.info können Kunden mehr Informationen zu den im Katalog ausgeschriebenen Hotels abrufen. In den Katalogen lösen übersichtliche Fakten ausführliche Hotelbeschreibungen ab, verspricht Deutschlands größter Reiseveranstalter.
Das klingt zunächst nicht schlecht. Am Counter hingegen, der täglich mit den Neu-Errungenschaften arbeiten soll, macht sich Kritik breit. "Wir finden die Kataloge nicht schön. Sie schauen ziemlich billig aus und das Papier ist um Welten dünner als zuvor", so eine Reiseverkäuferin auf Facebook. "Ich finde die Fotos schön, aber die Aufmachung sieht echt billig aus", pflichtet eine andere bei.
"Die Hotelbeschreibungen sind totaler Blödsinn: Strand, Sand, kein Hinweis ob lang, kurz und wo. Direkt am Hotel oder zwei Kilometer entfernt", kritisiert ein anderer. "Mir gefallen die neuen Kataloge nicht. Die Stichpunkte wecken keinerlei Emotionen und sind lange nicht so aussagekräftig", so ein weiterer Kommentar.
Aber auch handfeste Ängste, Kunden an tui.com oder andere Buchungsportale zu verlieren und am Ende ohne Provision dazustehen, werden geäußert: "Wenn ein Kunde erst mal im Internet eine Hotelbeschreibung sucht, dann findet er auch ganz schnell eine Buchungsmaschine", meint einer und weiter, so naiv könne man gar nicht sein, dass ein Kunde sich die Infos hole und sich dann wieder ans Reisebüro wende.
Doch nicht alle lassen sich entmutigen: "Es wird doch so ablaufen: Kunde sitzt vor uns, Bistro wirft ein TUI-Angebot aus und wir sagen: Ich zeige ihnen das Hotel mal im Jahn-Reisen-Katalog…", beschwichtigt eine Expedientin.
Tatsächlich ist es gar nicht so einfach, an die Hotelinfos zu kommen. Auf tui-katalog.info muss der „Object Code“ des gewünschten Hotels eingegeben werden. Eine Suche nach Zielgebieten, bestimmten Hotelketten oder Preisen ist nicht in jedem Fall möglich.
Das heißt aber auch: In einem wichtigen, umsatzstarken Reisesegment des Winters, wo jede Reise den Kunden sehr viel Geld kostet und dem Reisebüro ordentlich Provision bringt, lässt die TUI den Counter drei Wochen lang ohne sein wichtigstes Beratungsinstrument im Regen stehen.
Das ist auch deshalb unglücklich, weil TUI am vergangenen Wochenende ihr Winterprogramm den deutschen Reisejournalisten vorgestellt hat. Viele haben bereits über die neuen Programme berichtet und ihre Leser neugierig gemacht.
Doch das einzige, was die Expedienten potenziellen Kunden derzeit bieten können, ist ein eigener Ausdruck von Hotelbeschreibungen aus dem System. Das ist nicht nur wenig attraktiv, sondern kostet in den Reisebüros Zeit und Geld.
Michael Noe
Internet-Links zur Hotelbeschreibung schafften zusätzlich eine Verbindung zwischen on- und offline, so die TUI. Unter www.tui-katalog.info können Kunden mehr Informationen zu den im Katalog ausgeschriebenen Hotels abrufen. In den Katalogen lösen übersichtliche Fakten ausführliche Hotelbeschreibungen ab, verspricht Deutschlands größter Reiseveranstalter.
Das klingt zunächst nicht schlecht. Am Counter hingegen, der täglich mit den Neu-Errungenschaften arbeiten soll, macht sich Kritik breit. "Wir finden die Kataloge nicht schön. Sie schauen ziemlich billig aus und das Papier ist um Welten dünner als zuvor", so eine Reiseverkäuferin auf Facebook. "Ich finde die Fotos schön, aber die Aufmachung sieht echt billig aus", pflichtet eine andere bei.
"Die Hotelbeschreibungen sind totaler Blödsinn: Strand, Sand, kein Hinweis ob lang, kurz und wo. Direkt am Hotel oder zwei Kilometer entfernt", kritisiert ein anderer. "Mir gefallen die neuen Kataloge nicht. Die Stichpunkte wecken keinerlei Emotionen und sind lange nicht so aussagekräftig", so ein weiterer Kommentar.
Aber auch handfeste Ängste, Kunden an tui.com oder andere Buchungsportale zu verlieren und am Ende ohne Provision dazustehen, werden geäußert: "Wenn ein Kunde erst mal im Internet eine Hotelbeschreibung sucht, dann findet er auch ganz schnell eine Buchungsmaschine", meint einer und weiter, so naiv könne man gar nicht sein, dass ein Kunde sich die Infos hole und sich dann wieder ans Reisebüro wende.
Doch nicht alle lassen sich entmutigen: "Es wird doch so ablaufen: Kunde sitzt vor uns, Bistro wirft ein TUI-Angebot aus und wir sagen: Ich zeige ihnen das Hotel mal im Jahn-Reisen-Katalog…", beschwichtigt eine Expedientin.
Tatsächlich ist es gar nicht so einfach, an die Hotelinfos zu kommen. Auf tui-katalog.info muss der „Object Code“ des gewünschten Hotels eingegeben werden. Eine Suche nach Zielgebieten, bestimmten Hotelketten oder Preisen ist nicht in jedem Fall möglich.
Fernreise-Kataloge kommen erst in fünf Wochen
Für die Kurz- und Mittelstrecke gibt es aber wenigstens einen Katalog. Fernreisen können zwar ebenso wie das übrige Programm von 5. Juli an gebucht werden, bis zum 26. Juli müssen die Reisebüros allerdings ohne Kataloge zurechtkommen. Denn das war laut TUI auch der ursprünglich geplante Termin für die Freischaltung. Expis müssen sich bis dahin mit den Infos auf „Content Plus“ behelfen, die Kataloge werden nicht rechtzeitig zum vorgezogenen Termin in den Reisebüros liegen.Das heißt aber auch: In einem wichtigen, umsatzstarken Reisesegment des Winters, wo jede Reise den Kunden sehr viel Geld kostet und dem Reisebüro ordentlich Provision bringt, lässt die TUI den Counter drei Wochen lang ohne sein wichtigstes Beratungsinstrument im Regen stehen.
Das ist auch deshalb unglücklich, weil TUI am vergangenen Wochenende ihr Winterprogramm den deutschen Reisejournalisten vorgestellt hat. Viele haben bereits über die neuen Programme berichtet und ihre Leser neugierig gemacht.
Doch das einzige, was die Expedienten potenziellen Kunden derzeit bieten können, ist ein eigener Ausdruck von Hotelbeschreibungen aus dem System. Das ist nicht nur wenig attraktiv, sondern kostet in den Reisebüros Zeit und Geld.
Michael Noe
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