Anzeige
ANZEIGE
Themen
Home>Story
Derpart
Mit einer neuen Internetseite will Derpart Kunden in die Reisebüros bringen.
Foto: Derpart
Vergrößern

Derpart: Web soll Reisebüros nur unterstützen

31. Juli 2012 |
Derpart will Kunden in seine Partner-Reisebüros bringen, und das auch mit Hilfe des neuen Internet-Auftritts. Ein Widerspruch? Nicht für die beiden Geschäftsführer, Christoph Führer und Aquilin Schömig, die ihren Franchisepartnern und Filialen im Web eine Plattform für Eigeninitiative bieten.
Auf der neuen Derpart-Seite nehmen die Expertentipps der Reisebüromitarbeiter einen prominenten Platz ein. Die Expedienten schreiben über eigene Reisen und ihre persönlichen Highlights. Bisher stehen allerdings erst 1.400 Berichte von 600 Reiseberatern online. Für Christoph Führer dürfen es "ruhig noch mehr werden". Denn das Schreiben zahlt sich offenbar aus. "Unsere Reiseexperten bekommen heute acht- bis zehnmal so viele Anfragen von Kunden wie vor dem Relaunch der Seite", sagt Führer. Einen besseren Anreiz für die Reisebüros, fleißig zu schreiben, könne es nicht geben.

Grundsätzlich kann hier jeder Mitarbeiter der 450 Derpart-Franchisebüros und -Filialen mitmachen, erklärt Führer. Die Hürden und Ansprüche seien bisher niedrig, um die Reisebüros zu motivieren. "Die Texte müssen keine vorgegebenen Qualitätsstandards erfüllen", räumt Führer ein. Das würden die Kunden an dieser Stelle auch gar nicht erwarten. Sie suchten keine große Lyrik, sondern "handfeste Tipps zu Reisezielen und zum anstehenden Urlaub".

Reisebüros haben eine eigene Partnerseite

Daneben spielen die Partnerseiten auf der neuen Website eine größere Rolle als früher. Reisebüros haben Platz, um sich und ihre Mitarbeiter vorzustellen, können Öffnungszeiten angeben. Der Standort ihres Ladens wird auf einer Karte markiert. Fast alle machen bereits mit. „Wir bieten den Partnern ein Schaufenster im Internet und den Kunden einen 24-Stunden-Service“, sagt Führer. "Und wir nehmen denjenigen die Arbeit ab, die nicht selbst eine Website bauen können oder wollen".

Früher setzte Derpart im Internet andere Schwerpunkte. Seit der Neugestaltung im Juni stehen zwar weniger Informationen auf der ersten Seite. "Dafür haben wir nun eine emotionale Bildsprache, und wir haben die Reisebüros nach vorne gerückt“, fasst Führers Geschäftsführer-Kollege Schömig zusammen. "Der Auftritt ist jetzt jünger und frischer."

Allerdings haben auf der Homepage nicht nur die Reisebüros ihren Platz, es gibt auch eine Suchmaske, mit der Kunden direkt im Internet buchen können. Doch Führer beschwichtigt: "Unsere Heimat ist der stationäre Vertrieb, online soll nicht maximiert werden. In erster Linie wollen wir unsere Partner stärken." Der Anteil an Buchungen über das Netz sei noch immer recht gering und werde es auch bleiben.

Derpart-Büros wechseln nur selten zur Konkurrenz

Allgemein sieht sich Derpart im Reisebürovertrieb gut aufgestellt. "Über 450 Partnerbüros sind eine Größe, mit der wir gut leben können", ist Schömig zufrieden. Erst vor Kurzem sind 33 Franchisebüros in den Bahnhöfen dazu gekommen. Und Derpart will weitere Partner und Filialen gewinnen. Eilig hat es Schömig damit aber nicht, er will nicht wachsen um jeden Preis. Neue Partner müssten zu Derpart passen und eigene Filialen rentabel sein.

Wer sich mit seinem Reisebüro einmal Derpart angeschlossen hat, wechselt laut Schömig nicht so schnell zu einem anderen Vertriebssystem. Derpart ist in seinen Augen das "flexibelste und offenste System". Schömig: "Wir schreiben unseren Franchisepartnern nicht das Möbelkonzept in allen Kleinigkeiten vor." In den vergangenen 24 Monaten sei nur ein Büro aus dem System ausgetreten. Außerdem sei die Struktur der Derpart mittelständisch und jeder Reisebüroinhaber hält auch gleichzeitig Anteile an Derpart. Läuft das Jahr gut, verdienen am Ende alle daran.

Für Reisebüros sind zusätzliche Hotels eine Chance


Den aktuellen Trend der Veranstalter, das Hotelangebot im Internet stark auszuweiten, während es in den Katalogen ausgedünnt wird, sieht Derpart-Manager Schömig als Chance für den stationären Vertrieb. "Das Reisebüro muss die Beschreibung des Hotels zwar ausdrucken. Dafür gibt es das Angebot nur bei ihm", sagt Schömig. "Das ist viel individueller als nur Kataloge zu verteilen oder im Reservierungssystem Bistro nach dem billigsten Angebot zu suchen."

Sein Kollege Führer sieht in der dominanten Stellung von Bistro in den Büros ohnehin ein grundsätzliches Problem. "Wenn alle nur im gleichen Reservierungssystem suchen, bekommen auch alle das gleiche Ergebnis", so seine nüchterne Feststellung. "Reisebüros müssen aber gegenüber der Konkurrenz und dem Internet einen Mehrwert anbieten." Das funktioniere am besten, wenn die Expedienten bereits vor Ort waren und Unterkünfte und Destinationen aus erster Hand kennen.

Expedienten sollten wichtige Reiseregionen persönlich kennen

Auch für Schömig ist "die persönliche Erfahrung nicht zu schlagen" wenn es um die Beratung geht. "Was unsere Leute gesehen haben, können sie besser verkaufen. Die Kunden wollen auch wissen, ob der Mitarbeiter bereits in dem Hotel oder dem Land war, das er ihnen für den nächsten Urlaub vorschlägt." Exotischere Ziele könne man zwar gut mit Seminaren im Internet kennenlernen. Die wichtigsten Urlaubsregionen wie Kanaren, Balearen oder die Türkei sollten die Mitarbeiter in den Büros aber selbst bereist haben, ist Schömig überzeugt.

Nur setzen Veranstalter ihre Info-Reisen für Reisebüromitarbeiter häufig im März und November an, bedauert Schömig, für ihn ein schlechter Zeitpunkt. "Viele Info-Reisen finden leider gleichzeitig statt." Außerdem machten Expedienten machen vor und nach der Saison oft selbst Urlaub. So wünschen sich die Derpart-Geschäftsführer hier vor allem mehr Flexibilität bei den Veranstaltern. Die Reisebüroinhaber wollen Schömig und Führer ermutigen, ihre Mitarbeiter häufiger mitfahren zu lassen.
Sandra Henoch
Nach oben
ANZEIGE