15. November 2017 – 17:25
Europa liegt bei Streiks im Transportsektor weltweit vorn
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Streikübersicht – Grafik: A3M

Für Arbeitnehmer ist das Recht darauf eine Errungenschaft, für Airlines und die übrige Reiseindustrie bisweilen teuer und für Reisende eine Geduldsprobe. Die Rede ist von Streiks. Das auf Krisenmonitoring spezialisierte Unternehmen A3M aus Tübingen hat Daten der vergangenen zwölf Monate analysiert und einen weltweiten Überblick über Streiks im Sektor Transport und Verkehr zusammengestellt.

Die Aufstellung zeigt: Europa hat eine besonders ausgeprägte Streikkultur. Einen beachtlichen Teil der insgesamt 225 verzeichneten Streik-Ereignisse der vergangenen zwölf Monate verzeichnete A3M in der Alten Welt. Spitzenreiter in Sachen Streik war Italien mit insgesamt 67 Streiks. Dahinter folgt Frankreich mit 24 Ausständen – dort sind Reformen derzeit ein Dauerthema. Traditionell streikanfällig sind Griechenland, Spanien und Portugal. Aber auch Deutschland war im untersuchten Zeitraum mit zehn Arbeitsniederlegungen vertreten. Im Vereinigten Königreich verzeichnete A3M insgesamt 16 Streiks. Praktisch keinerlei Vorfälle gab es in Osteuropa und Skandinavien.

Streikfreies Nordamerika. Kaum Streikereignisse gibt es in Nordamerika. So verzeichnete A3M in Kanada in den vergangenen zwölf Monaten zum Beispiel nicht ein einziges Ereignis, das sich auf Reisende auswirkte. Und auch im Nachbarland USA gab es nur einmal einen Streik des Flughafenpersonals im Juli 2017 an den Airports der Ostküste. Etwas anders sieht das Bild in Lateinamerika aus, wenngleich hier zumindest im untersuchten Zeitraum nicht annähernd so viel gestreikt wurde wie in Europa. Mehrere Arbeitsniederlegungen wurden unter anderem in Brasilien, Chile, Argentinien und Uruguay verzeichnet – darunter auch umfangreiche Generalstreiks. In Mexiko gab es dagegen keinen einzigen Streik, der das Leben von Reisenden erschwerte.

Breite Streuung in Asien. Im asiatischen Raum fällt das Streik-Verhalten unterschiedlich aus –insgesamt ist die Streikneigung aber eher gering. Nicht verwundern dürfte dabei, dass China komplett streikfrei ist. Und auch in Russland ist Streik in puncto Verkehr und Transport fast ein Fremdwort. Weitere Länder ohne jegliche Arbeitsniederlegung dieser Bereiche in den vergangenen zwölf Monaten waren auch touristisch beliebte – und eher autoritär regierte – Länder wie Thailand, Vietnam, Malaysia und Indonesien in jüngster Zeit. Gemessen an seiner Größe ist auch Indien mit einer einzigen Streikankündigung diesbezüglich eine Ruhezone. Anders präsentiert sich das Bild nur in Südkorea, wo vereinzelt eine Gefahr für Streiks bestand, sowie in Nepal, wo diese auch einmal größer ausfallen können. Praktisch ein Fremdwort sind Arbeitsniederlegungen laut A3M im arabisch-geprägten Teil Asiens. So gab es in den Emiraten zum Beispiel kein, ebenso wie im Iran und in der Türkei.

Kaum Aktivität in Afrika. Eher unwahrscheinlich war die Begegnung mit Streiks im untersuchten Zeitraum auch auf dem afrikanischen Kontinent. Vereinzelte Arbeitsniederlegungen oder Ankündigungen gab es in Kenia, Südafrika, an der Elfenbeinküste sowie in Nigeria. Völlig streikfrei war im analysierten Zeitfenster Ägypten. Und auch in Marokko und Tunesien flammten allemal kleinere Ankündigungen auf, die nicht zwangsweise in tatsächliche Streiks mündeten. Traditionell treten Streiks in Afrika eher im südlichen Teil des Kontinents sowie in den Ländern Äquatorialafrikas auf.

Ruhe Down Under. In Australien und im Südpazifik spielen Streiks ebenfalls fast keine Rolle für Reisende. Für Australien meldete A3M zum Beispiel lediglich einen Ausstand von Grenzschutz- und Einwanderungsbeamten im Herbst 2016. Zudem kam es im untersuchten Zeitraum zu kleineren Einschränkungen im Luftverkehr für Neukaledonien sowie Französisch-Polynesien. Neuseeland war dagegen komplett frei von Streiks.