18. März 2017 – 08:00
Türkei-Reisen werden in Reisebüros zum Ladenhüter
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Foto: Wikipedia

Die Entwicklungen in der Türkei bewegen nicht nur die Politik, sondern auch die Reísebüros. Das zeigt die starke Resonanz auf die „Counter vor9“-Umfrage zum Verkauf von Türkei-Reisen, an der mehr als 800 Reisebüros teilnahmen. Das Ergebnis der Umfrage verdeutlicht eine dramatische Entwicklung: Drei Viertel der befragten Reisebüros verkaufen Türkei-Reisen derzeit nicht aktiv, sondern allenfalls auf ausdrücklichen Kundenwunsch. In Kommentaren reicht die Bandbreite der Einschätzungen von der Feststellung, es sei derzeit „sinnlos“, den Kunden Urlaub in der Türkei anzubieten, bis zu der Befürchtung, die Kunden könnten im Land angesichts der wachsenden politischen Spannungen und Nazi-Vergleiche durch Mitglieder der türkischen Regierung angepöbelt werden.

Bei manchen Büros geht die Nachfrage "gegen null". Wenig erstaunlich ist es angesichts dieser Tatsache, dass 83 Prozent der Reisebüros einen starken Nachfragerückgang gegenüber dem Vorjahr feststellen, neun Prozent sehen die Nachfrage leicht unter der des ebenfalls schwachen Jahres 2016. Einige Agenturen berichten von Einbrüchen um 50, 60 oder gar 80 Prozent, mancherorts werden überhaupt keine Türkei-Buchungen mehr abgewickelt. "Selbst unerschrockene Türkei-Urlauber überlegen sich im Moment zweimal, ob die dorthin reisen wollen", schreibt ein Umfrageteilnehmer.

Geringe Hoffnung auf Last-Minute-Buchungen. Auch die Erwartungen an das Kurzfrist-Geschäft sind gering. Nur vier Prozent gehen fest davon aus, dass sich die Kunden im Last-Minute-Bereich noch über günstige Preise motivieren lassen. Immerhin 24 Prozent glauben an eine Erholung, wenn sich die politischen Spannungen beruhigen, 14 Prozent gehen von einer positiven Entwicklung aus, sofern keine neuen Anschläge erfolgen. Dagegen meinen 25 Prozent, auch mit Kurzfrist-Buchungen werde es in diesem Jahr nichts, weil die Kunden um ihre Sicherheit fürchteten. Und 58 Prozent sind überzeugt, dass ihre Kunden aus politischen Gründen nicht in die Türkei reisen. Das gab es noch nie.

Vorbehalte auch gegen eigene Reisen. Das Reiseverhalten der Expedienten selbst wirbelt das aktuellen Geschehen ebenfalls durcheinander. Nahezu 50 Prozent erklären, dass sie dieses Jahr "mit Sicherheit nicht" in die Türkei reisen werden, weitere 24 Prozent wollen "wahrscheinlich" von einer Reise Abstand nehmen. Ohne jeden Vorbehalt in das Land am Bosporus reisen würden lediglich 15 Prozent. Weitere zwölf Prozent würden dies "wahrscheinlich" tun. Aus zahlreichen Kommentaren geht hervor, dass den Reiseprofis die Zweischneidigkeit jeder Entscheidung für oder gegen Türkei-Reisen bewusst ist. Viele bedauern, dass die Bevölkerung in den Urlaubsregionen großenteils schuldlos unter dem Nachfrageschwund aus einem ihrer wichtigsten Märkte zu leiden hat. Doch wollten sie mit ihrem Geld nicht die aktuelle türkische Regierung unterstützen. Und bei so manchem scheint am Ende die aggressive Rhetorik türkischer Politiker das Fass zum Überlaufen gebracht zu haben. (CS)