29. März 2018 – 16:16
Was die Bevölkerungsentwicklung für die Reisebranche bedeutet

Schon seit 2005 leben in Deutschland mehr Menschen über 65 als unter 20. Die deutsche Gesellschaft ist in den vergangenen 15 Jahren – also im Abstand einer Generation – sichtbar älter geworden. So ist die Zahl der unter 20-Jährigen an der Gesamtbevölkerung in diesem Zeitraum um 13 Prozent gesunken. Die Altersgruppe darüber, die 20 bis 40-Jährigen, ist ebenfalls stark geschrumpft. Zusammen stellen sie aktuell 43 Prozent der Bevölkerung in Deutschland. Bevölkerungswissenschaftler schätzen, dass die höhere Altersgruppe in etwa vierzig Jahren doppelt so groß sein wird wie die jüngste. Und sie warnen, dass die fünfzig Prozent der Berufstätigen dazwischen damit überfordert sein könnten, die ‚unproduktiven‘ Jungen und Alten zu versorgen.

Auf der Basis dieser Erkenntnisse hat die GfK eine Reihe von Trends herausgestellt, die das Konsumverhalten und damit auch das Reiseverhalten in Zukunft beeinflussen werden.

"Solo Going Professionals". So ist die Zahl der erwerbstätigen Alleinlebenden im Alter von vierzig plus ist in den letzten zehn Jahren deutlich gestiegen. Heute sind mehr als vierzig Prozent der Haushalte in Deutschland Ein-Personen-Haushalte, Tendenz: steigend. Vor allem in den Metropolen und den Ballungsgebieten leben immer mehr Berufstätige allein. Zwar reist nicht jeder Alleinlebende allein, aber der Anteil Alleinreisender im mittleren oder höheren Alter dürfte steigen. Darauf sollten sich sowohl die Hotellerie als auch Veranstalter und Kreuzfahrtreedereien einstellen.

"Silver Professionals". Außerdem schieben immer mehr Menschen schieben den Rentenbeginn noch eine Weile auf und arbeiten weiter voll in ihren Beruf. So ist beispielsweise in der typischen Übergangs- Altersgruppe der 60 bis 69-Jährigen der Anteil der Rentnerhaushalte in den letzten zehn Jahren von vormals 87 Prozent auf aktuell 61 Prozent zurückgegangen. Auch die Zahl der Frührentner zwischen 50 und 59 Jahren hat sich in diesem Zeitraum halbiert. Selbst in ihrer siebten Lebensdekade sind heute noch fünf Prozent der Haushalte erwerbstätig. Diese Entwicklung drückt tendenziell die Zahl derer, die nach ihrem Erwerbsleben über viel freie Zeit verfügen und sich auch längere Reisen leisten. Vielmehr wird das Reiseverhalten der arbeitenden Alten eher dem der übrigen noch im Erwerbsleben stehenden Mitbürger ähneln – wenn auch aufgrund des fortgeschrittenen Alters mit längeren Ruhephasen.

"Späte Mütter". Ein dritter Trend ist das steigende Alter von Müttern bei der Geburt ihres ersten Kindes. Frauen bekommen ihr erstes Kind heute im Schnitt mit 30 Jahren, viele berufstätige Frauen noch weit später. Die Folge davon ist, dass der Anteil der Kinderhaushalte in jüngeren Altersgruppen sinkt und in den älteren steigt. So lebten im Jahr 2017 nur noch in 18 Prozent der Haushalte bis 29 Jahre Kinder bis sechs Jahre, fünf Prozentpunkte weniger als im Jahr  2007. In der Haushaltsgruppe zwischen 30 und 39 Jahren waren es hingegen fünf Prozentpunkte mehr (34%). In der Altersgruppe 40 bis 49 Jahre ist der Anteil der Kinderhaushalte im betreffenden Zeitraum um drei Prozentpunkte gestiegen. Der Zeitpunkt, zu dem die Haushalte wieder „kinderlos“  werden, verschiebt sich damit nach hinten und der Anteil „älterer“ Familienurlauber nimmt zu. Gleichzeitig wächst der  Anteil derjenigen, die vor der Elternphase schon erhebliche Reisererfahrung sammeln konnten. Das deutet auf höhere Ansprüche der neuen Zielgruppe hin.

Die Marktforscher der GfK resümieren, dass bestimmt Konsumtrends von diesen Entwicklungen überdurchschnittlich profitieren. Bei allen drei Trendzielgruppen handele es sich um zeitgestresste Haushalte; das unterstützt den Trend zu bequemen, zeitsparenden Produkten – beziehungsweise erholsamen Urlaubsarrangements. Alle drei Wachstumsgruppen gehörten zudem zu den finanziell bessergestellten Haushalten; folglich sei die Nachfrage nach starken Marken und vor allem nach Premiumprodukten überproportional hoch. Außerdem sei eine stärkere Neugier auf neue Produkte zu beobachten und das Bestreben, auf nachhaltige Angebote zu achten.